Marokko und der Film
14. Januar 2009
Wer hätte vor hundert Jahren gedacht, dass in der gerade entstehenden Filmindustrie einst das kleine nordafrikanische Land Marokko eine wichtige Rolle spielen würde? Und, Hand aufs Herz – wer ist sich dieser Tatsache heute denn bewusst? Natürlich: Der eine oder andere weiß schon, dass die Stadt Casablanca in Marokko liegt – und dass der gleichnamige Film von 1942 mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman demzufolge in Marokko spielt. Wahrscheinlich war das auch wirklich das erste Mal, dass Hollywood und damit die internationale Filmwelt Notiz von dem kleinen Land nahmen. Allerdings wurde gerade dieser Filmklassiker, anders als spätere Produktionen, gar nicht in Marokko gedreht, sondern in Hollywood. Es wäre auch schwierig und vielleicht gefährlich gewesen, mitten im zweiten Weltkrieg in Nordafrika, nicht weit entfernt vom deutschen Afrikakorps und sozusagen in Reichweite des Hitler nahestehenden Spaniens, etwas zu produzieren, das durchaus auch Teil der amerikanischen Propaganda gegen Deutschland war.
1956 sah die Sache schon anders aus: Als Hitchcock ein Remake seines eigenen Films „Der Mann, der zuviel wußte“ mit James Stewart und Doris Day drehte, verlegte er einen Teil der Handlung in das marokkanische Marrakesch – und drehte Teile davon tatsächlich am Originalschauplatz. Dieser Thriller ist aus der Geschichte des Films nicht wegzudenken – schon deshalb, weil Doris Day darin erstmals ihr berühmtes „Qué Será, Será“ sang. So allmählich kam Hollywood auf den Geschmack – und bis heute entstehen immer wieder große internationale Kinoproduktionen zumindest teilweise in der Wüstenlandschaft von Marokko. Genannt sei hier nur noch Ridley Scott. Und auch für das westliche Fernsehen wird produziert – man denke an die aufwändige Serie „Die Bibel“. Für viele Einwohner Marokkos, die sich als Statisten an den Dreharbeiten beteiligen, wird dieses Geschäft sicher auch in Zukunft sehr einträglich sein.
