Geschichte von Kacheln & Handwerk
27. Mai 2008Geschichte von Kacheln im Handwerk ist durchaus interessant. Die Ahnen der heutzutage bekannten Kachelöfen sind die in vielen eisigen Regionen eingebauten Backöfen oder Herdbefeuerungen mit Überwölbung. Im Laufe der Jahre wanderte der Backofen mitsamt dem Ofenkörper in den sich im Mittelalter bildenden Lebensraum der Stube, die Feuerungsstelle verblieb jedoch in der Küche.
Auf diese Weise entstand ein beheizbarer trockener Raum, der auf sehr einfache Weise rein gehalten werden konnte. Hauptsächlich bestanden diese Öfen aus Lehm, aus konstruktiven Gründen wurden später spezielle Leichtbauteile in die höher liegenden Wölbungen integriert, die dafür von Töpfern angefertigt wurden. Schnell bemerkte man, dass keramisches Material eine viel bessere Wärmeübertragung möglich machte. Im Laufe der Weiterentwicklung dieser Kacheln entstanden nach und nach aneinandersetzbare Bauteile in diversen Ausführungen und Größen.
Aus dem Bau dieser Kachelöfen entwickelte sich ein separater Handwerksberuf – der Ofensetzer. Dieses Handwerk hat sich in den Jahrhunderten sowohl regional als auch technisch stark weiter entwickelt. Der anfänglich reichen Patriziern vorbehaltene Kachelofen wurde später auch in den ärmeren Schichten etabliert. Dabei war zu beobachten, dass die nicht so begüterten Menschen weniger und meistens auch die einfachen Kacheln verwendeten. Die Erscheinung der Kachelöfen wurde im Laufe einiger Jahrhunderte im kunstgeschichtlichen Sinn sehr stark verändert, jedoch blieb die Technik für lange Zeit gleich.
Mit dem Anschluss an Schornsteine seit dem 18. Jahrhundert wurde auch eine technische Verbesserung herbeigeführt. Die Öfen wurden von einem Nebenraum befeuert und gaben die Stauhitze über die Kacheln an die Umgebungsluft ab. Die auftretenden Rauchgase wurden über die Esse abgezogen, traten aber auch über vorhandene Undichtigkeiten in Dach- und Deckenkonstruktionen aus.
Gegenüber den ersten Öfen waren diese Öfen zwar ein großer Fortschritt, jedoch hatten sie keine guten Leistungszahlen, was zu einem erhöhtem Holzverbrauch führte. Mit der Überlegung nach Einsparungen an Ofen- und Feuerungsmaterial im ausklingenden 17. Jahrhundert brachte der direkte Anschluss an den Schornsteinzug den finalen Durchbruch. Kacheln und Schamottesteine wurden in großen Massen hergestellt und der Kachelofen wurde zum gängigen Gebrauchsprodukt.
