Kacheloefen & Kacheln als Gebrauchsprodukt

11. Juli 2008


Die Vorgänger der heute bekannten Kachelöfen sind die in eisigen Regionen eingebauten Backöfen oder Herdfeuerungen mit Überwölbung. Im Laufe der Zeit wanderte der Backofen mit dem Ofenkörper in den sich im Mittelalter herausbildenden Lebensraum der Stube, die Feuerungsstelle verblieb aber in der Küche. Auf diese Weise entstand ein beheizbarer trockener Raum, der auf einfache Weise sauber gehalten werden konnte.

In der Hauptsache bestanden diese Öfen aus Lehm, aus konstruktionstechnischen Gründen wurden später spezielle Leichtbauteile in die darüber liegenden Wölbungen eingebaut, die extra von Töpfern hergestellt wurden. Schnell wurde festgestellt, dass keramisches Material eine bessere Wärmeübertragung ermöglichte. Im Laufe der Entwicklung dieser Kacheln entstanden nach und nach aneinandersetzbare Bauteile in vielen Varianten und Größen. Zum Bau dieser Kachelöfen entstand ein separater Handwerksberuf – der Ofensetzer.

Dieses Handwerk hat sich im Laufe der Jahrhunderte sowohl regional als auch technisch extrem weiter entwickelt. Der anfänglich reichen Patriziern vorbehaltene Wärmespender wurde später auch in ärmeren Schichten etabliert. Dabei war zu beobachten, dass die einfacheren Menschen aus Kostengründen auch weniger und meistens die einfachen Kacheln verwendeten.

Die äußere Erscheinung der Kachelöfen wurde im Laufe der Jahrhunderte im kunstgeschichtlichen Sinn stark verändert, jedoch blieb die Heiztechnik lange Zeit gleich. Mit dem Anschluss an Schornsteine ab dem 18. Jahrhundert wurde auch die technische Verbesserung herbeigeführt. Die Öfen wurden von einem Nebenraum befeuert und gaben die Stauhitze über die Kacheln an die Umgebungsluft ab. Die auftretenden Rauchgase wurden über die Esse abgezogen, traten aber auch über Undichtigkeiten in Dach- und Deckenkonstruktionen aus. Gegenüber den ursprünglichen Öfen waren diese Öfen zwar ein großer Fortschritt, jedoch hatten sie immer noch keine guten Leistungszahlen, was zu erhöhtem Holzverbrauch führte.

Mit der erstmaligen Überlegung für Einsparungen an Ofen- und Feuerungsmaterial im ausgehenden 17. Jahrhundert brachte der direkte Anschluss an den Schornsteinzug den letztendlichen Durchbruch. Kacheln und Schamottesteine wurden in Massen hergestellt und der Kachelofen wurde zum Gebrauchsprodukt.